Donnerstag 18. Januar 2018
28.09.2016

Ready to work? #businesses4refugees

Wie werden Menschen mit Fluchthintergrund in den österreichischen Arbeitsmarkt integriert? Welche Möglichkeiten gibt es im eigenen Unternehmen hier anzusetzen? Antworten auf diese Fragen und weitere praktische Tipps zur Einstellung geflohener Personen lieferte das Arbeitsgruppentreffen der respACT-Initiative #businesses4refguees.

Information als Grundlage für aktives Handeln
Barbara Coudenhove-Kalergi, Expertin für Gesellschaftliche Innovation in der Industriellenvereinigung, stellte folgende Fragen an das Publikum: „Was bedeutet subsidiärer Schutz?“ und „Was bedeutet ein positiver Bescheid?“ Die Antworten waren durchwachsen. So wurde eines schnell klar – nur durch fundiertes Wissen können Ängste überwunden, Vorurteile vermieden und entsprechende Schritte im eigenen Unternehmen gesetzt werden.

 

AMS-Vorstand Johannes Kopf nahm dies zum Anlass einen Einblick in die wichtigsten Zahlen und Fakten zu geben: Im Zeitraum von Jänner 2015 bis Juni 2016 sind rund 10.000 geflohene Menschen beim AMS als arbeitslos gemeldet worden. Diese relativ geringe Anzahl entsteht dadurch, dass geflohene Menschen erst arbeiten dürfen (und somit vom AMS betreut werden), wenn sie über einen positiven Asylbescheid verfügen. Das kann oftmals mehrere Jahre dauern. Dass der Großteil der Flüchtlinge im städtischen Umfeld lebt, offene Lehrstellen aber häufig in ländlichen Gegenden zu finden sind, stellt eine weitere Herausforderung dar. Daher wurde das Projekt zur überregionalen Lehrstellenvermittlung „Wir schaffen Chancen! Fachkräftepotenzial Flüchtlinge“ von der Wirtschaftskammer Österreich, in Zusammenarbeit mit AMS, BMWFW, BMASK, WIFI, lobby.16 sowie der bundesweiten Koordinationsstelle „Lehre statt Leere“ ins Leben gerufen. Zusätzlich unterstützt das AMS durch Kompetenzchecks, Qualifizierungsangebote sowie Förderungen (wie zum Beispiel mit der Eingliederungsbeihilfe für anerkannte Flüchtlinge).

 

„Man muss nach den Früchten suchen, nicht nach den Problemen.“
T-Mobile vergibt bereits seit 2010 jährlich 10% der Lehrstellen an Jugendliche mit Migrationshintergrund. Dazu kooperiert das Unternehmen mit dem Verein lobby.16, der sich für das Recht unbegleiteter junger Flüchtlinge auf Bildung und Ausbildung einsetzt. Somit konnten schon 18 junge Menschen ausgebildet werden. Diese sind Großteils auch nach der Lehre weiterhin im Unternehmen beschäftigt. Die Mehrsprachigkeit der MitarbeiterInnen verschafft dem Unternehmen den Benefit KundInnen in mehreren Sprachen zu betreuen.

 

Herbert Tessadri, Vertriebsleiter beim IT-Unternehmen crossbase mediasolution, betonte die Wichtigkeit positiver Aspekte, die man in den Vordergrund rücken muss. Das Unternehmen hat bereits 11 Flüchtlinge erfolgreich mit IT-Firmen zusammengebracht. Dadurch konnte ein Beitrag zum Ausgleich des in dieser Branche vorherrschenden Fachkräftemangels geschaffen werden. Da in der IT-Branche meist englische Begriffe verwenden, stellen noch nicht ausgereifte Deutschkenntnisse keine Hürde dar. Zusätzlich bezieht sich deren Kollektivvertrag nicht auf formelle Abschlüsse und Zeugnisse, sondern rein auf die auszuführende Tätigkeit. Aber auch die persönliche Ebene ist zu berücksichtigen: Diese Menschen haben vieles erlebt. Unternehmen müssen ihre Erwartungen entsprechend anpassen.

 

Simon Kravagna, Chefredakteur von das Biber (einer Zeitschrift, die sich vor allem auf Themen österreichischer MigrantInnen ausrichtet) weiß aus Erfahrung, dass Selbstvertrauen eine bedeutsame Rolle spielt. Nur so kann eine Umgebung geschaffen werden, wo sich MitarbeiterInnen gut entfalten können. Man muss die Menschen dort abholen, wo sie stehen und auf ihre Interessen sowie Qualifikationen eingehen. Große Leistungsbereitschaft und selbstständiges Engagement sind Folgen dieser emphatischen Unternehmenskultur.

 

Praktische Tipps zur bestmöglichen Integration im eigenen Unternehmen

  • Entsprechende Ressourcen schaffen!

Mit Mentoren- und Buddy-Programmen werden MitarbeiterInnen informell und individuell betreut. Ein gemeinsames Mittagessen mit einer/m erfahrenen Mitarbeiter/in kann ein entscheidender Eisbrecher für alle Beteiligten sein.

  • Vernetzen Sie sich mit gleichgesinnten Unternehmen!

Herbert Tessadri empfahl, dass große Betriebe kleine Firmen dabei unterstützen, Menschen mit Fluchthintergrund zu coachen. So können gegenseitige Erfahrungen und Informationen ausgetauscht werden.  respACT fördert diese und weitere Formen der Zusammenarbeit mithilfe verschiedener Workshops zum Thema #businesses4refugees, lesen Sie hier mehr.

  • Entwickeln Sie neue Projekte!

Gemeinsam mit Ashoka ist respACT bei der „Ideegration“-Konferenz auf der Suche nach Ideen für wirksame Lösungen im Integrationsbereich. Die Konferenz findet am 10. November 2016 in Wien statt. Im Rahmen dessen wird auch die respACT-Initiative #businesses4refugees und weitere unternehmerische Ansätze vorgestellt.

 

Beispielsweise bietet das Biber jungen interessierten Menschen mit Migrationshintergrund, im Rahmen der Biber-Akademie, die Möglichkeit im Journalismus Fuß zu fassen. Es werden vier Stipendien für eine zweimonatige Dauer vergeben. Es zählen Motivation und eigene Ideen, nicht die Nationalität.

  • Schließen Sie NGO-Partnerschaften!

Für soziale, rechtliche und kulturelle Angelegenheiten empfiehlt es sich Kooperationen mit NGOs und anderen ExpertInnen einzugehen. Dies hilft das eigene Know-How in diesem Bereich auszutauschen und sich für ein gemeinsames Ziel zu vernetzen.

 

Integration ist möglich und alternativlos

Eine Forschergruppe des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital, an dem auch das Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die Wirtschaftsuniversität Wien sowie das „International Institute for Applied Systems Analysis“ beteiligt waren, zeigt in der kürzlich erschienen Studie, dass der Großteil der geflohenen Menschen ein hohes Bildungsniveau aufweist und somit ein gut Integrationspotenzial gegeben ist.

 

Auch wenn ein gewisses Umdenken nötig ist – es lohnt sich! Johannes Kopf brachte es mit folgendem Zitat auf den Punkt: „Der Begriff Menschen auf der Flucht gefällt mir nicht - denn diese Menschen sind bereits angekommen. Integration ist alternativlos.“

 

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