Donnerstag 18. Januar 2018
14.06.2016

Vorarlberger Unternehmen für aktive Integration von geflohenen Menschen

 

Am 07. Juni 2016 veranstaltete respACT, Österreichs Plattform für verantwortungsvolles Wirtschaften, ein Unternehmerfrühstück zum Thema #businesses4refugees in Vorarlberg. Zu Gast beim respACT-Mitgliedsunternehmen Haberkorn begrüßte Oskar Rauch, Teil des abteilungsübergreifenden Nachhaltigkeitsteam, die Gäste in Wolfurt, Vorarlberg. Die Veranstaltung drehte sich um die Arbeitsmarktintegration geflohener Menschen sowie um weitere Möglichkeiten des betrieblichen Engagements im Flüchtlingsbereich.

Rahmenbedingungen zur Beschäftigung geflohener Menschen

Bernhard Bereuter, stellvertretender Geschäftsführer des AMS Vorarlberg und Leiter der Abteilung „Services für Unternehmen“, klärte potentielle Arbeitgeber auf:

  • Subsidiär Schutzberechtigte und anerkannte Konventionsflüchtlinge haben freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt und unterliegen keinerlei Einschränkungen.
  • AsylwerberInnen, die sich noch im laufenden Asylverfahren befinden, können:
    • nach drei Monaten im Tourismus oder in der Landwirtschaft arbeiten,
    • Lehrstellen in einem Beruf der Lehrstellenmangelliste annehmen und
    • unbezahlte Volontariate zu Ausbildungszwecken absolvieren.

Großes Potential für Fachkräfte- und Lehrlingsmangel
Folgende Programme unterstützen bei der Arbeitsmarktintegration von geflohenen Menschen:

  • start2work, ein Programm der Caritas und des Landes Vorarlberg, unterstützt bei Deutschkursen und Nostrifizierungsverfahren sowie bei der Vermittlung an interessierte Unternehmen. Karoline Mätzler, Fachbereichsleiterin der Abteilung Arbeit & Qualifizierung der Caritas Vorarlberg, berichtete, dass von Jänner bis April 2016 143 Personen betreut wurden. 20% der TeilnehmerInnen wurden in feste Anstellungsverhältnisse vermittelt und weitere 30% konnten ein Praktikum antreten.
  • Während viele der ankommenden (häufig unbegleiteten) Minderjährigen besondere Aufmerksamkeit benötigen, stellen sie gleichzeitig ein enormes Potential für den Lehrlingsmangel in vielen Branchen dar. Stefan Koch, Geschäftsführer von integra stellte das landesweite Programm „Talent-Scout“ speziell für die jugendliche Zielgruppe vor. Diese werden sozialpädagogisch betreut und durch Praxiserfahrungen in Betrieben sowie Deutschkurse auf den Einstieg in die österreichische Arbeitswelt vorbereitet.
  • Eine weitere Option ist die österreichweite Online Job-Plattform refugeeswork.at. Hier werden unbürokratisch ArbeitgeberInnen mit Jobsuchenden zusammengeführt. Dominik Beron, Gründer und Geschäftsführer des respACT-Mitgliedsunternehmens, kann seit November 2015 bereits rund 2.000 registrierte Flüchtlinge und circa 250 interessierte Unternehmen verbuchen.
  • Die „chancen:reich“, Österreichs 1. Berufsmesse für geflüchtete Menschen, wird am 29. Juni in Wien stattfinden. respACT ist mit einem Stand sowie einer spannenden Panel-Diskussion vertreten. Für Details und Anmeldung bitte hier entlang. 

Branchenabhängige Sprachanforderungen und Nutzung bestehender Fähigkeiten

Praktische Erfahrungen in der Arbeitsmarktintegration konnte u.a. Herbert Mittelberger, Geschäftsführer bei Dorfelektriker, einbringen. Er betonte die große Motivation und Verlässlichkeit die an den Tag gelegt wird und verwies auf die Wichtigkeit des Spracherwerbs.

Die sprachlichen Anforderungen sind je nach Branche allerdings unterschiedlich hoch. In der IT-Branche wird sehr häufig gänzlich auf Englisch gearbeitet, Programmiercodes und IT-Software funktionieren international gleich, erklärte Herbert Tessadri, Gesellschafter des IT-Unternehmens crossbase und Spartenvertreter Information und Consulting der Wirtschaftskammer Vorarlberg, gemeinsam mit Husam Mikhael, einem syrischen IT-Spezialisten, der infolge eines Praktikums eine Anstellung bei der IT-Firma ideefix gefunden hat. Auch er erklärte, dass viele geflüchtete Personen über wertvolles Wissen verfügen, aber häufig keine den österreichischen Standards entsprechenden Zeugnisse mitbringen. Hier wäre es wichtig, mehr Fokus auf tatsächliche Qualifikationen zu legen und weniger auf Abschlüsse und Zeugnisse.

 

In einem neuen Land funktioniert der Arbeitsmarkt anders: Mentoren- und Buddy-Programme unterstützen

Menschen mit Migrationshintergrund fehlt häufig vor allem ein Netzwerk und sie haben wenig Kontakt zu erfolgreich in der österreichischen Arbeitswelt integrierten Personen. Daher bietet die Wirtschaftskammer Österreich, gemeinsam mit dem AMS und dem Österreichischen Integrationsfond das ProgrammMentoring für MigrantInnen“. Carolin Grabher, Referentin der sozialpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Vorarlberg, erklärte, dass dabei einer Person mit Migrationshintergrund (dem „Mentee“) ein fachlich passender MentorIn zugeteilt wird. Dieser steht dem Mentee über einen Zeitraum von sechs Monaten unterstützend zur Seite. Österreichweit konnten bereits 1.500 Paare gebildet werden.

 

Unternehmerisches Engagement auch jenseits der Arbeitsmarktintegration möglich

Eva Grabherr und Tamer Akkurt von okay.zusammen leben berichteten über die zahlreichen Vorarlberger Initiativen im Flüchtlingsbereich. Viele neue Strukturen haben sich im Laufe des letzten halben Jahres gebildet. Nun ist es wichtig die Ressourcen sowie die Energie und Motivation der vielen Freiwilligen längerfristig zu erhalten. Zum Beispiel durch sogenanntes „Corporate Volunteering“ (MitarbeiterInnen helfen freiwillig in Form von Zeitspenden) können diese Initiativen von Unternehmensseite unterstützt werden. Hier finden Sie eine Sammlung an Unternehmensbeispielen aus den Reihen der respACT-Mitglieder, wie diese sich auf vielfältige Weise engagiert haben. Einen Überblick an Vorarlberger Initiativen im Flüchtlingsbereich wird okay.zusammen leben diesen Sommer online zur Verfügung stellen.

 

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