Rio de Janeiro – 20 Jahre später

Bettina Steinbrugger berichtet anlässlich der großen UN-Konferenz Rio+20 aus Rio/Brasilien:

Seit letzter Woche bin ich beim Global Compact Sustainability Forum (www.compact4rio.org), das im Vorfeld der großen UN Coference for Sustainable Development (http://www.uncsd2012.org/rio20/) hier in Rio de Janeiro stattfindet – der Stadt mit dem berühmtesten Strand, der bekanntesten Christustatue und dem verrücktesten Karneval der Welt. Die ganze Stadt befindet sich im Rio+20-Fieber: In den Bekleidungsgeschäften gibt es biologische Earth Summit-Shirts „made in Brazil“ zu kaufen – mein Abendmenü heißt „Rio+20 Spezialmenü“ und besteht aus Limettenrisotto mit nachhaltigem Fisch – was auch immer nachhaltig in diesem Zusammenhang heißt.

Vom Biofisch zum Großstaudammprojekt

Aber Brasilien hat mehr als Bio-T-Shirt und Biofisch zu bieten und beeindruckt mit Zahlen und Fakten: Die Armut konnte in den letzten Jahren um 50% reduziert werden – über 40 Millionen Menschen sind von der untersten in die Mittelschicht aufgestiegen. Diese ist zunehmend kauf- und konsumierfreudig und verbraucht jede Menge Energie. Auch die Nachhaltigkeitskonferenzen haben einen überdurchschnittlichen Energieverbrauch, was man nicht zuletzt an den sibirischen Temperaturen in den Meeting Räumen merkt. Soll wohl möglichst vom Klimawandel und der globalen Erwärmung ablenken, wenn man mitten in Brasilien friert anstatt schwitzt. Da ist es auch nur ein schwacher Trost, dass das Global Compact Forum die erste „wind labeled“ Konferenz der Welt ist (http://csf.compact4rio.org/events/rio-20-corporate-sustainability-forum/custom-132-251b87a2deaa4e56a3e00ca1d66e5bfd.aspx) – mit Strom aus reiner Windkraft betrieben. Auf den Straßen von Rio hängen Plakate, die „energia limpia“ – saubere Energie aus Großstaudammprojekten promoten.

Gipfel der Kontroversen

So kontrovers wie hier die verschiedenen Lösungen zur Bekämpfung von Klimawandel, Ressourcenknappheit und Armutsbekämpfung diskutiert werden, so gegensätzlich sind auch die Ansichten von Entwicklungs- und entwickelten Ländern im Zuge von Rio+20. Tausende Führungskräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik sind gekommen, um gemeinsam an der „future we want“ zu arbeiten. Dass hier nicht jeder dieselben Vorstellungen von Zukunft und insbesondere von einer nachhaltigen Zukunft hat, versteht sich von selbst.

Dabei wird oft übersehen, dass die sogenannten emerging markets in vielerlei Hinsicht die entwickelten Länder bereits überholt haben. Das verdeutlicht einmal mehr das Beispiel Brasilien, das der größte Recycler von Aluminium weltweit ist. An der Börse von Sao Paolo verfügen 50% der börsennotierten Unternehmen über einen Nachhaltigkeitsbericht – Zahlen von denen einige europäischen Börsen nur träumen können.

In den nächsten Tagen gehen die Vorverhandlungen zu Rio+20 zu Ende und die Regierungschefs werden eintreffen, um „the future we want“ in konkrete sustainable development goals zu gießen. Ob das dann mehr Biofisch oder mehr Großstaudammprojekte bedeutet, bleibt abzuwarten.

Bettina Steinbrugger, Rio de Janeiro, 19.6.2012
respACT & Österreichisches Global Compact-Netzwerk

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