Die Karenz ist vorbei: ein Rückblick!

Seit heute (1. September 2009) ist meine Karenz vorbei. Zeit für einen kurzen Rückblick und ein Stimmungsbild zum Wiedereinstieg.

Überzeugungsarbeit leisten

Lange bevor die Karenz überhaupt begonnen hat, galt es den respACT-Vorstand von dem Vorhaben zu überzeugen. Ungefähr ein Jahr vor meinem geplanten Antritt  habe ich damit begonnen. Mein Vorschlag war fast exakt jener, den wir jetzt umsetzen: eine schrittweise Stundenreduktion bis zur Vollzeit-Karenz. Sehr konkret an den von mir gewünschten Zeitraum angepasst, von einigen begleitenden Maßnahmen flankiert und abgestimmt auf unsere Jahresplanung. Damit habe ich Präsident und Vorstand dann wohl überzeugt (und die Tatsache, dass wir eine Organisation sind, die sich primär mit der gesellschaftlichen Verantwortung auseinandersetzt, hat sicher auch ihren Teil dazu beigetragen).

Lange Zeit habe ich mein Team bei meiner Planung allerdings im Dunkeln gelassen. Aus heutiger Sicht würde ich das sicher anders machen und früher auch schon intern über Pläne und Rahmenbedingungen informieren. Die so entstandene Verunsicherung war zwar nicht groß, aber doch relevant. Als wir uns endlich zusammengesetzt haben, um Details der Karenzzeit zu besprechen, sind schon einige Fragen aufgetaucht. Ganz oben auf der Liste: Wie klappt die (Unterstützung bei der) Entscheidungsfindung bzw. inhaltliches Feedback durch mich. Direkt gefolgt von: Was machen mit Anfragen, die sich direkt an den Geschäftsführer richten nicht delegiert werden können (weil der/die Anfragende das nicht akzeptiert) oder weil es unseren internen Richtlinien (z.B. im Umgang mit Mitgliedern) widerspricht.

Rahmenbedingungen schaffen

Also war der nächste Schritt, die Rahmenbedingungen und Verantwortlichkeiten zu schaffen, sowie Prozesse zu etablieren, damit die Karenz klappt. Folgende vier Punkte waren dabei am wesentlichsten:

  • Das Team stärken. Das ist wohl keine Philosophie die man von heute auf morgen einführt. Eigenverantwortung im Team ist mir wichtig. Und von großer Bedeutung, wenn es einmal darum geht, auch größere Entscheidungen im Rahmen der Projektleitungstätigkeit (von den alltäglichen spreche ich hier gar nicht) selbst zu treffen und zu verantworten. Was ich an dieser Stelle voraussetze: Offenheit für Neues, Flexibilität und unternehmerisches Denken. Mit diesen Einstellung und Kapazitäten unter den MitarbeiterInnen, kann eigentlich sowieso fast nichts mehr schief gehen.
  • Eine Stellvertreterin aufbauen. Im Jänner 2009 wurde meine Kollegin Daniela Knieling vom Vorstand zur stellvertretenden Geschäftsführerin ernannt. Zuvor habe ich sie mit diesem Ziel zu uns geholt. Somit ist, wenn es hart-auf-hart kommt, in meiner Abwesenheit jemand da, der Entscheidungen trifft (bzw. zu treffen hat).
  • Delegieren von Aufgaben. Ganz ein schwerer Brocken, den ich allerdings schon seit längerer Zeit – nicht erst seit ich in Karenz bin – bearbeite. Das schwierigste daran: man sollte zwar im Auge (und Hirn) haben, was man delegiert – zwecks follow-up – sich jedoch davon verabschieden, überall die persönlichen Maßstäbe anzulegen. Jede und Jeder macht seine Arbeit eben anders. Solange die Qualitätskriterien der Organisation erfüllt sind, ist demnach alles bestens.
  • Reduzieren von Arbeit. Das ist ein ganz spannender Punkt, an dem ich auch jetzt noch sehr aktiv weiterarbeiten werde: Welche (meiner) Tätigkeiten sind wirklich wesentlich für den Geschäftserfolg von respACT? Welche Meetings notwendig und welche entbehrlich? Welche Geschäftsreisen bringen substantiellen Input und Kontakte? Welche neuen, angefragten Kooperationen bringen uns wirklich weiter? Diese Reflexion war ungemein lehrreich und wird einen fixen Platz in meinem persönlichen (Effizienz-)Management auch weiterhin finden.

Das Ergebnis dieser Vorbereitungen und deren Umsetzung aus heutiger Sicht – nach meinem ersten Tag im Büro: Operation gelungen – Patient lebt! Das freut mich sehr und macht mich stolz auf mein Team. Darüber hinaus hat auch die Betreuung eines der wichtigsten Projekte von respACT der letzten Jahre – bei dem ich selbst die Projektleitung hatte – super geklappt (allerdings nur dank Annemarie Harant, bei der im Büro die Fäden zusammen liefen). Präsentiert wird das Projektergebnis – das neuen CSR-Leitbild – übrigens beim CSR-Tag am 23. September 2009 in Wien.

Und die Familie … ?

25082009412… ist froh, dass ich wieder arbeite!

Nein, im Ernst: es war eine tolle Zeit für uns drei. Insbesondere natürlich für Vater und Sohn, auch wenn ich zugebe, dass mich das Haushaltsmanagement oft mehr ins Schwitzen gebracht hat, als das von respACT. Wir haben diese jedenfalls bis zum Ende in vollen Zügen ausgekostet (siehe auch das Foto rechts in der Liliputbahn im Wiener Prater – sehr zu empfehlen!) und ich kann dies jedem Vater nur empfehlen – und übrigens auch den Unternehmen, dies zu ermöglichen: es erweitert einfach zusätzlich zu dem unbestritten persönlichen Gewinn ungemein den Horizont und die soziale Kompetenz (ich sage nur: Haushaltsmanagement ;-) .

Der Wiedereinstieg

Ich gehe einmal davon aus, dass ich schnell wieder Fuß fasse. Schließlich war ich ja nicht sechs Monate aus der Welt, sondern nur zwei in Karenz. Die gewohnten Rituale mit meinem Sohn wieder hinter mir zu lassen wird da ungleich schwieriger. Aber es werden neue folgen und es bleibt ja zum Glück spannend. Der Lebensabschnitt der (ersten?) Karenz ist für mich jedenfalls abgeschlossen und meine Frau, mein Sohn und ich, werden jetzt – erstmals – versuchen den “ganz normalen” Alltag einer voll erwerbstätigen Familie zu meistern.

Roman H. Mesicek
Geschäftsführer
respACT

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